Methodenkoffer eines Facilitators

Methoden und ihre Anwendbarkeit

Womit arbeitet ein Facilitator? Was hat er in seinem Methodenkoffer? Welche Methode funktioniert gut und welche ist einfach? Wir stellen Ihnen verschiedene Methoden vor und beziehen Stellung.

Dynamic Facilitation Methode

Dynamic Facilitation ist unsere bevorzugte Methode. Deshalb stellen wir sie etwas ausführlicher auf einer eigenen Seite vor. Um mehr über die Dynamic Facilitation Methode zu erfahren, klicken Sie hier.

World Café Methode


Meinung:

Aufwendige Methode mit viel Dynamik. Nur sehr gezielt einzusetzen und am besten als Bestandteil eines klar definierten Prozesses. Nicht geeignet für den Start eines inhaltlichen Prozesses. Durchführung wir erleichtert durch Gastgeber/Facilitatoren, die sich verstehen. Gäste/Teilnehmende sollten sich bereits einschätzen können und nicht frisch aufeinandertreffen. Die zahlreichen World Cafés, bei denen ich Gast war, konnten nur mit viel Wohlwollen als teilweise erfolgreich betrachten werden.

Vorgehen:

5 kleine Tische, 5 Personen je Tisch, 1 gleiche Frage für alle Tische, 1 Gastgeber, 30 Minuten Zeit zum zielgerichteten Austausch. Das ist Runde 1.
Runde 2: immer noch 5 kleine Tische, nun 5 andere Personen je Tisch, 1 neue, für alle Tische gleiche, Frage, derselbe Gastgeber, informieren der neuen Gäste über die vergangene Diskussion, 30 Minuten Zeit zum zielgerichteten Austausch.
Vielleicht gibt es eine 3. oder sogar 4. Runde. Das ist dann viel und hängt vom Thema ab.
Nach der letzten Runde werden auf jeden Fall die erarbeiteten Inhalte vorgestellt und zusammengeführt.

Absicht:

Die Methode hat einen klaren Zielkorridor:

  • Kontakt und Austausch heterogener, meist größerer Teilnehmergruppen, bei denen die Menschen sich untereinander nicht oder nicht gut kennen,
  • einen Überblick über die Meinungsvielfalt der Teilnehmenden im Raum geben,
  • am Ende des Prozesses einen gemeinsamen Nenner über alle Meinungen hinweg finden.

Herausforderungen & Überlegungen zur World Café Methode:

  • Das Format verlangt eine saubere, minutiöse Planung, die das Thema logisch analytisch mit allen Eventualitäten durchdenkt,
  • Das zu bearbeitende Thema braucht einen klar gesteckten Rahmen, der in der zur Verfügung stehenden Zeit entspannt bearbeitet werden kann,
  • Die zu bearbeitenden Fragen sind der Dreh- und Angelpunkt zum Erfolg. Sind sie zu klein (Wie sollen wir die Farbgestaltung unserer Verpackungen ändern?) erlischt das Interesse der Gäste. Sind sie zu groß (Wie können wir unser Geschäftsmodell verändern?) wird die Diskussion ausufern und den zeitlichen Rahmen sprengen,
  • Wenn 5 Personen, die im Idealfall alle bereit sind zu sprechen, 30 Minuten inhaltlich relevant diskutieren sollen, hat jeder 6 Minuten Sendezeit. Das ist zu wenig. Wenn die Gäste sich nicht gut kennen, dauert es länger. Wenn einige der Gäste das Interaktionsmuster haben: beobachten-zuhören-nachdenken-Meinung bilden-erste Gedanken vorsichtig äußern, ist die Zeit um, bevor sie bei Meinung bilden angekommen sind. Wenn es eine internationale Gruppe ist, brauchen die Gäste Zeit, sich über ihre Annahmen und Unterschiede auszutauschen. Das dauert viele Minuten. Hat ein Gast eine konträre Meinung und die anderen Gäste stellen sich der Diskussion, ist der Zeitrahmen gesprengt.……usw..…
  • Da das World Café ein stark menschelndes Format ist, werden an die Gastgeber/Facilitatoren einige Anforderungen gestellt: schaffe Nähe und Vertrauen in 2 bis 3 Minuten; ermögliche den Zugang zum Thema für unterschiedliche Lerntypen; führe einen entspannten Austausch straff in der Zeit; gewinne wertbringende Einsichten von den Gästen; vermeide Heldengeschichten einzelner; halte Dich mit Deiner Meinung zurück…… die Liste ist lang und voll einladender Fallgruben. Da hilft nur Erfahrung über die alle Gastgeber/ Facilitatoren an allen Tischen verfügen sollten. Denn das World Café funktioniert am besten, wenn das Zusammenspiel harmonisch klingt, wie bei einem guten Orchester ohne Dirigenten.

fish bowl Methode

Meinung:

Sehr gute Methode für Gruppengrößen ab 20 Personen. Bringt Ruhe in eine Gruppe. Gibt allen Beteiligten Zeit zum Nachdenken und eigene Position/Meinung finden. Funktioniert am besten vor einer Pause, um ein Zwischenergebnis zu generieren. Gutes Werkzeug. Facilitator sollte sehr genau aufpassen bei dem Diskussionsverlauf, damit keine Meinung bevorzugt wird. Das Zusammenführen ist danach eine spannende Aufgabe.

Absicht:

Die Vielfalt unterschiedlicher Meinungen in einer größeren Gruppe durch eine kleine Auswahl von Personen zu kanalisieren und greifbar zu machen. Strukturiertes und zeitsparendes Vorgehen, um harmonischen oder konträren Positionen in einem Prozess einen zeitlich definierten Raum zu geben.

Vorgehen:

Offener fish bowl
Aus einer großen Gruppe von Personen findet sich eine kleine Anzahl von Personen, die bereit sind das zu behandelnde Thema als Repräsentanten der unterschiedlichen, im Raum vorhandenen Meinungen zu diskutieren. Diese kleine Gruppe bildet einen inneren Kreis, die Zuhörenden einen äußeren Kreis. Die Zeit wird begrenzt. Ein Stuhl im inneren Kreis bleibt frei, sodass jeder aus dem äußeren Kreis hinzukommen kann für einen Beitrag. Ist der Beitrag beendet, wird der Stuhl wieder verlassen.
Nach Beendigung der Diskussion im inneren Kreis, können sich die Zuhörenden zu dem Gehörten äußern. Ergebnisse werden dokumentiert.

Geschlossener fish bowl
Hier entfällt der freie Stuhl.

Nutzen:

  • Meinungen werden auf einige Positionen verdichtet,
  • Die Methode ist sehr gut geeignet, ein Zwischenergebnis zu beschleunigen,
  • Die zusammengefassten Meinungen und Einsichten haben hohe Akzeptanz in der Gruppe,
  • Der fish bowl eint die Energien einer Gruppe,
  • Die Methode wird von den Teilnehmenden als fair und demokratisch empfunden.
fish bowl

Kollegiale Beratung Methode

Meinung:

Kollegiale Beratung ist eine gute Methode, um zentrale Aufgabenstellungen durch die Bündelungen der Energie und Intelligenz der Gruppe zu lösen. Kollegiale Beratung kann in fast jedem Prozess eingesetzt werden. Die Herausforderung für die Qualität der Lösungen liegt in der Fähigkeit der Teilnehmende, gute, offene Fragen zu stellen und durch Kreativität unterschiedliche Perspektiven zu eröffnen.

Vorgehen:

Kollegiale Beratung ist ein lösungsorientiertes Gespräch. Menschen unterstützen sich gegenseitig bei der Lösung einer Aufgabenstellung. Die Größe der Runde sollte zwischen 5 und 10 Mitgliedern liegen. Eine Person präsentiert ihr Anliegen. Ein Moderator begleitet die Person bei der Darstellung des Anliegens und unterstützt mit Fragen, die zur Verdeutlichung der Sachlage dienen. Ist diese Phase abgeschlossen, können die übrigen Teilnehmenden klärende Fragen stellen. Idealerweise sind dies wahrhaft offene Fragen. Die 3. Phase ist die Beratung. Die Teilnehmer/innen beraten die Person mit dem Anliegen. Am Ende des Prozesses kann der Anliegensteller noch eine wertschätzende Rückmeldung an die Berater geben.

Nutzen:

  • Alle Teilnehmenden fokussieren sich auf eine konkrete Aufgabe,
  • Ein zu lösendes Thema bekommt ungeteilte Aufmerksamkeit,
  • Durch die Vielzahl der Teilnehmer werden neue Perspektiven zu dem Thema eröffnet.

Soziogramm Methode

Meinung:

Leicht einzusetzende Methode mit hohem Aussagegehalt. Motiviert Personen, sich klar zu äußern und in die Reflexion zu kommen. Durch die Bewegung im Raum wird die Energie der Gruppe positiver und konstruktiver. Sehr zu empfehlen.

Vorgehen:

Das Soziogramm ist eine Methode, die angewendet werden kann, um die Haltung von Gruppenmitgliedern zu einem bestimmten Thema zu ermitteln. Eine Frage wird formuliert, die mit einer urteilenden, messbaren Antwort belegt werden kann. Die Haltung wird durch die Aufstellung der Personen im Raum auf einer Skala zwischen 1 und 10 verdeutlicht.
Hier kann die Methode beendet werden.

Oder aber der Facilitator fragt die aufgestellten Personen, mit welcher Motivation sie an der Stelle stehen, wo sie stehen. Dies vertieft die Einsicht in die Gedanken, Erfahrungen und Meinungen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen in Bezug auf die gestellte Frage und kann wichtige Hinweise für die weitere Arbeit geben. Möchte der Facilitator Bewegung in die Gruppe bringen und die Gruppe auf ein zukünftiges Handeln ausrichten, kann er die Gruppenmitglieder fragen, wer denn gerne seine Position auf der linearen Skala von 1 bis 10 verändern möchte. Durch die Bewegung einzelner Teilnehmer/innen offenbart sich, wer zum Handeln bereit ist und in welcher Intensität diese Bereitschaft vorliegt. Die Abschlussfrage an die Gruppenmitglieder kann sein, was es denn für jeden bräuchte, damit er diesem Bewegungsimpuls in der Wirklichkeit ausleben kann. Damit werden die Stellgrößen ermittelt, die in der Gruppe, Organisation oder in Teams notwendiger Weise zu betrachten sind.

Nutzen:

  • Schneller Einblick in die Haltung von Personen zu einem Thema,
  • Schneller Einblick in die Veränderungsbereitschaft von Personen zu einem Thema,
  • Unkomplizierte, sofort verständliche Vorgehensweise,
  • Bildliches / graphisches Erfassen einer Situation,
  • Mobilisierung einer Gruppe,
  • Stärkung des Gruppengefühls

Abstraktionspyramide Methode

Schlüsselworte:

Verdichten, vernetzen, skalieren, Vertrautheit, Flexibilität, big picture, Kontext, Perspektive, Interdependenz.

Meinung:

Eine Methode die Menschen vor die Notwendigkeit stellt, ihr Denken zu überdenken. Sehr gut geeignet, um die Flughöhe von Diskussionen zu erhöhen. Am besten einzusetzen, wenn ein Thema schon gut bearbeitet wurde und nun der Betrachtungshorizont erweitert werden soll.

Aufbau der Pyramide:

Ebene 1 beschreibt die Dinge im Detail. Jede einzelne Aktivität wird genau erklärt und der Grund für die Aktivität wird in Bezug auf die angrenzenden Aktivitäten oder Aufgaben angegeben. Die erklärende Person ist ein Experte und hat sich Kenntnisse über die Feinheiten ihrer Arbeit angeeignet.

Ebene 2 verlangt von einer Person, eine Reihe von Aktivitäten in einem größeren Rahmen zu gruppieren, um schnell und einfach verschiedene Cluster von Aktivitäten in Beziehung setzen zu können. Man könnte sagen, dass diese erste Ebene der Themenkomprimierung dazu dient, das Verständnis für eine Wertschöpfungskette zu schaffen, in der jeder einzelne Bereich seinen Platz und seinen Zweck findet.

Ebene 3 legt die Messlatte der Abstraktion wieder höher, so dass das Cluster der Ebene 2 nun einen gültigen Grund finden kann, warum es existiert und wo es seinen Platz im Orchester der Aufgaben findet. Nehmen wir ein Beispiel: Ebene 1 beschreibt die Menge an Zucker, Mehl, Salz und Schokolade und welche Qualität Sie wählen müssen, um ein éclair au chocolat herzustellen. Ebene 2 erklärt, dass es verschiedene Arten von Eclairs gibt, und fragt, was man mit den gekauften Zutaten noch machen kann. Ebene 3 erweitert den Blickwinkel und zeigt Ihnen die gesamte Palette der Süßigkeiten, die hergestellt werden müssen, um die Wünsche der Kunden zu erfüllen und als professionelle Konditorei wahrgenommen zu werden.

Ebene 4 reflektiert über Geschäftsmodell, Kundenerfahrung, Produktangebot und Qualität. Ein großer Teil dieser Denkebene lenkt ihre Energien auch auf das Nachdenken über neue Geschmacksrichtungen, verschiedene Konzepte zur Präsentation der Produkte, neue Modelle der Kundenbindung und wie man die Mitarbeiter inspirieren kann, damit sie mögen, was sie tun, und sich im Umgang mit den Kunden wohl fühlen.

Ebene 5 ist die sinnstiftende Ebene, auf der das Warum tun wir, was wir tun? beantwortet wird und ein ständiges Gleichgewicht zwischen der Verbesserung des Geschäftsmodells und der Neuerfindung des Geschäftsmodells entsteht. Hier werden Trends erkannt und in die Organisation gefiltert. Es wird über Allianzen nachgedacht und neue Lieferanten werden entdeckt. Auf dieser Ebene kann man auch über Nachhaltigkeit und umweltfreundliche Produktion nachdenken.

Herausforderungen:

Denkvermögen der teilnehmenden Personen.